Von der Dualität zweier Qualitäten zur Balance

10.07.2017 – Geschrieben von: Lou

Unser Leben besteht aus vielerlei Polaritäten. Sie begegnen uns ständig, oftmals auch ganz unbewusst. Licht und Dunkelheit, Sonne und Mond zum Beispiel.
Patanjali hat dies bereits in seinem Yoga Sutra (älteste Yoga-Niederschrift) aufgegriffen und thematisiert. Die einzelnen Abschnitte des Yoga Sutras sollen uns dazu inspirieren, das meinende, denkende Selbst zu erforschen und zu verstehen.
In einem Abschnitt geht es beispielsweise darum, dass eine Asana einerseits sehr stabil und andererseits voller Leichtigkeit und Freude sein sollte.

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sthira sukham asanam

Ein kleiner Vokabel-Exkurs in Sanskrit (in dieser Sprache wurde das Yoga Sutra niedergeschrieben):
Sthira = stabil, fest
Sukha(m) = leicht, glücklich, angenehm
Asana(m) = Körperhaltung, Meditationssitz, statische Yogahaltung


Kinder sind die Meister der Leichtigkeit, die meisten Kinder haben das Gefühl, die Welt sei schön, friedlich und zufriedenstellend. Sie genießen das Leben unbeschwert, haben Spaß und werfen oftmals unbewusst Konventionen über Bord, um befreit zu sein.
Wir Erwachsenen hingegen haben im Laufe des Lebens, meistens ungewollt gelernt, diszipliniert zu sein, Fehler zu vermeiden und mit einer gewissen Sorgfalt und Achtsamkeit das Leben zu führen – so auch auf der Yogamatte. Dies bedeutet permanenter Fokus auf einer exakten Ausführung, auf einer noch schwierigeren und außergewöhnlichen Asana, aber fällt das nicht letzten Endes zu Lasten unseres Körpers und des Geistes?
Spielt hierbei nicht die Eigenschaft des Ausbalancierens eine zentrale Rolle? Zum einen stabil zu sein, aber im gleichen Moment mit Leichtigkeit und Freude zu üben und die Wechselwirkung wahrzunehmen – Eine Verbindung der Dualitäten. Ich durfte viel von Kindern im Yoga lernen, wofür ich sehr dankbar bin. Durch die Begegnung wurde mir bewusst wie essentiell Kreativität und Freiheit ist. Ich begebe mich mit den Kindern in jeder Stunde auf eine Phantasiereise, welche jedes Mal im Prozess entsteht und das Ergebnis völlig unklar ist und dieser Aspekt fühlt sich für mich genau richtig an, da ich mich in dem Moment intensiv mit den Kindern auseinandersetze und nicht mit strikten Anweisungen der Alignement. Das fördert auch die Kreativität der Kinder und regt dazu an, selbst und frei von Gegebenheiten, Vorschläge mit einzubringen, um z.B. die Phantasiereise gemeinsam zu gestalten.
Hiervon kann – meiner Meinung nach – jeder von uns etwas mitnehmen. Manchmal reicht vielleicht schon ein Lächeln während des Praktizierens. Gelingt es uns, den einen oder anderen Aspekt der Kinder zu adaptieren, erweitert sich unser Blickwinkel und es wird Raum geschaffen für Neues, Inspiration und Glück.


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